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Der Pharmazeut


 

Die Apotheke wird immer mehr zu einem Gesundheitszentrum

 

Von der KrÀuterkunde des Altertums zur wissenschaftlichen Pharmazie der Gegenwart; vom Pillendrehen zum Gesundheitsmanagement: die vielen Gesichter des Apothekerberufs.

Was haben Theodor Fontane, Carl Spitzweg, Henrik Ibsen und Georg Trakl gemeinsam? Sie waren Apotheker, die sich den KĂŒnsten zugewandt haben (Link: "Bekannte Apotheker
"). Eigentlich ist ja auch die Herstellung von Arzneimitteln eine Kunst und noch dazu eine der Ă€ltesten. In grauer Vorzeit lag sie in den HĂ€nden von Heilkundigen, die „Àrztliche" und „apothekerliche“ Funktionen in sich vereinten. Aber schon im römischen Reich und im arabischen Kulturkreis des achten Jahrhunderts gab es Ärzte und eigene „Arzneimittelzubereiter“.

Die erste gesetzliche Grundlage ihres Berufs erhielten die europĂ€ischen Apotheker von Friedrich II. Der Stauferkaiser erließ 1241 eine „Medizinalordnung“, in der Arzt- und Apothekerberuf streng voneinander abgegrenzt wurden: „Der Arzt darf keine Apotheke betreiben und nicht mit dem Apotheker zusammenarbeiten“, hieß es darin, „der Apotheker muss die Medikamente herstellen und darf sie fĂŒr einen gerechten Preis verkaufen“. In den fast acht Jahrhunderten, die seither vergangen sind, haben die Apotheker einen langen Weg vom KrĂ€uterkundigen zum wissenschaftlichen Arzneimittelexperten zurĂŒckgelegt. Dass sie nicht mit dem Arzt zusammenarbeiten sollen, hat sich mittlerweile auch geĂ€ndert. Die Angehörigen beider BerufsstĂ€nde wissen, wie wichtig ihre Kooperation fĂŒr die Gesundheitsversorgung der Menschen ist.

Wer sich zur Pharmazie hingezogen fĂŒhlt, muss heute ein fĂŒnfjĂ€hriges Studium absolvieren. Offiziell zumindest - die tatsĂ€chliche durchschnittliche Studiendauer ist wie bei allen anderen vergleichbaren Studien deutlich höher. Dabei geht es u.a. um Physik, Chemie, Botanik und Biologie, Physiologie, Pharmakologie, Toxikologie, ErnĂ€hrungslehre, Hygiene und Mikrobiologie. Es geht darum, wie Medikamente im Körper wirken, wie sie abgebaut und in welche Stoffe sie umgeformt werden. Ganz wichtig ist das Wissen um die verschiedenen pflanzlichen und tierischen Heilmittel und natĂŒrlich die modernen chemisch-synthetisch und biotechnologisch hergestellten PrĂ€parate. Zentrale Bedeutung hat die pharmazeutische Technologie. Mit der Darreichungsform der Arzneimittel lĂ€sst sich deren Wirkung stark beeinflussen. Mittlerweile gibt es die verschiedensten Typen von Tabletten, Kapseln, Retardformen, es gibt moderne Inhalationshilfen, mit Wirkstoff getrĂ€nkte Pflaster usw.

Hat man das Studium nun erfolgreich hinter sich gebracht, ist man zwar Pharmazeut (Magister der Pharmazie) - aber noch kein Apotheker. Dazu fehlt ein Jahr Praxis in einer Apotheke, das sogenannte Aspirantenjahr. Erst danach und einer weiteren staatlichen PrĂŒfung ist der frischgebackene Apotheker fertig.

Wie vieles Ă€ndert sich auch der Apothekerberuf im Lauf der Zeit. Ein großer Wandel in diesem Jahrhundert wurde durch die industrielle Fertigung von Arzneimitteln herbeigefĂŒhrt, die sich Mitte der Vierziger Jahre durchgesetzt hat. Das heißt aber nicht, dass in der Apotheke ausschließlich Fertigarzneimittel abgegeben werden. Österreich ist bei der individuellen Zubereitung von Arzneimitteln in der Apotheke ("magistrale Rezeptur") fĂŒhrend unter den IndustrielĂ€ndern. In Europa wird dieses Service außer in Deutschland oder der Schweiz kaum mehr geboten.

Ein weiterer Wandel im Apothekerberuf ist derzeit in vollem Gang: Die Apotheke wird immer mehr zu einem Gesundheitszentrum, man kann sich dort individuell, anonym und kostenlos beraten lassen. Man geht nicht nur hin, um gesund zu werden, sondern auch, um gesund zu bleiben. Blutdruckmessungen, die Bestimmung des Body Maß Index, erstellen von ImpfplĂ€nen - um nur einige Beispiele zu nennen - sind Dienstleistungen, die man in der Apotheke in Anspruch nehmen kann. Auch bei der Selbstmedikation ist der Apotheker als Berater gefragt, der bei der Entscheidung „Arztbesuch oder nicht“ helfen kann.



Das Pharmaziestudium
In der modernen Gesellschaft kommt der Pharmazie eine zentrale Bedeutung fĂŒr das Gesundheitswesen zu. Im Zentrum der pharmazeutischen Wissenschaften stehen Arzneimittel und alle damit in Zusammenhang stehende Aspekte.

Die Pharmazie ist jene Wissenschaft, die sich in Theorie und Praxis mit sÀmtlichen Fragen, die das Arzneimittel (Pharmakon) betreffen, befasst. Dazu zÀhlen insbesondere die Herstellung und Gewinnung sowie die Auffindung von Arzneistoffen aus der belebten und unbelebten Natur, ihre QualitÀtssicherung, Lagerung, ihre Wirkungen und Interaktionen, ihre Zubereitungen bzw. Darreichungsformen. Insgesamt stellt die Pharmazie eine integrierte Wissenschaft dar, die aus verschiedenen Disziplinen besteht und als Lehr- und Forschungsfach innerhalb der Naturwissenschaften mit starkem Bezug zu den Biowissenschaften eine Verbindung zu medizinischen FÀchern bildet.

Die gesetzliche Mindeststudiendauer betrÀgt neun Semester. Das Diplomstudium Pharmazie hat drei Studienabschnitte.

Das Pharmaziestudium ist keineswegs ĂŒberlaufen und Pharmazeuten haben nach dem Studium gute Berufsaussichten. In den vergangenen Jahren gab es an allen drei UniversitĂ€tsstandorten (Graz, Innsbruck, Wien) zusammen ca. 340 " Erstsemestrige" und jĂ€hrlich etwa 180 Absolventen. Das Studium wird innerhalb der gesamten EU als qualitativ sehr hochwertig anerkannt.

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